ABSCHIED VON DER 27

Die Straßenbahnstrecke von Witten nach Castrop überlebte den Konkurs der Westfälischen Straßenbahn. Am 1. Februar 1938 wurde aus der Linie E die Linie 27. Der Linienverlauf blieb unverändert.

Auf dem Abschnitt Langendreer – Castrop wurde der Takt der Linie 27 ab 1940 mit der Linie 22 verdichtet.

SCHNELLE WIEDERINBETRIEBNAHME

Trotz der erheblichen Zerstörungen in der Wittener Innenstadt konnte die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG den Verkehr auf den ländlichen Streckenteilen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg relativ schnell wieder aufnehmen – auch auf der Strecke von Witten nach Castrop.

Sobald in der Wittener Innenstadt die Durchfahrt wieder möglich war, war die Linie 27 wieder unterwegs – anfangs auf der Relation Bommern Denkmal – Witten – Langendreer – Castrop.

Vermutlich kam es nach 1945 mehrfach und kurzfristig zu Linienwegänderungen. Im Sommerfahrplan 1949 teilte sich die Linie 27 ihre Stammstrecke mit der zuvor in Langendreer wieder in Betrieb gegangenen Linie 22:

Die Linie 27 fuhr in diesem Jahr vom Wittener Hauptbahnhof zum Bahnhof Langendreer-Nord, die Linie 22 verband den Alten Bahnhof in Langendreer (Kaisersteg) mit der Endstelle in Castrop.

„Hamsterfahrten“ aus der Stadt zu den im Streckenverlauf liegenden Bauernhöfen ließen die Fahrgastzahlen Ende der 1940er-Jahre steigen. 1950 kehrte deshalb die Linie 27 wieder auf die Gesamtstrecke von Witten nach Castrop zurück. Die Linie 22 zwischen Langendreer Denkmal und Castrop parallel und verdichtete den Takt.

SCHLECHTER ZUSTAND

Aufgrund des relativ schlechten Zustands der Gleise und der Oberleitung und des absehbaren Erneuerungsbedarfs war nach Berechnungen der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG ein langfristiger Fortbestand der Straßenbahnverbindung nicht wirtschaftlich, insbesondere im Vergleich zu den Anschaffungs- und Betriebskosten von Omnibussen.

In der Aufsichtsratsitzung vom 24. Juli 1951 fiel deshalb die Entscheidung, den Straßenbahnbetrieb zwischen Crengeldanz und Castrop zu beenden.

Am 1. Dezember 1951 fuhr zum letzten Mal ein Straßenbahnwagen auf der „27“ von Witten nach Castrop.

Der Geschäftsbericht der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG für die Jahre 1951 und 1952 kommentierte die Einstellung wie folgt: „Im Laufe des Jahres 1951 wurden die Straßenbahnlinien Castrop-Rauxel – Langendreer – Witten und Bochum-Grumme – Wohlfahrtstraße auf Omnibusbetrieb umgestellt. Für Erneuerung der Gleis- und Fahrleitungsanlagen dieser Linien … wären zur Weiterführung des Straßenbahnbetriebes erhebliche Mittel aufzuwenden gewesen. Die Schwierigkeiten, diese Mittel zu beschaffen, und der geringe Kapitalbedarf für Omnibusse waren entscheidend für die Umstellung.“

Das Titelbild dieses Kapitels aus der BOGESTRA-Fotosammlung zeigt die letzte Fahrt der Linie 27. Triebwagen 45 wurde mit einem Tannenzweig und einer Tafel, die auf den besonderen Anlass hinwies, geschmückt.

ABBAU DER GLEISE

Bereits im Verlauf des Jahres 1952 wurden die ersten Gleise zwischen Castrop, Lütgendortmund und Langendreer entfernt. Das Gleisdreieck am Bahnhof Langendreer wurde im September 1952 ausgebaut.

Der Straßenbahnbetrieb zwischen Castrop und Bochum, den ich auf meiner Bochumer Website „Rund um den Kuhhirten“ im Detail beschreibe, hatte noch weitere Jahre Bestand. Am 8. Mai 1967 wurde gleichwohl auch die Straßenbahnlinie 7 zwischen der Münsterstraße in Castrop und Gerthe durch die Omnibuslinie 67 ersetzt.

  • 1950 treffen sich am Bahnhof ein Solowagen auf der "27" und ein Zug mit Beiwagen auf der "20".
    BOGESTRA-Fotosammlung