WERNERSTRASSE

Nach der Übernahme der Märkischen Straßenbahn durch die Westfälische Straßenbahn GmbH wurden die Linien des „Nordnetzes“ ab dem 15. Mai 1912 neu geordnet.

Die Strecke Langendreer Denkmal – Kaisersteg wurde jetzt als Linie G bezeichnet. Die Verbindung Laer – Uemmingen – Kaisersteg – Werne – Baulager / Depot Lütgendortmund erhielt die Linienbezeichnung H.

BAHNHOF LANGENDREER-NORD

An der Rheinischen Straße in Langendreer-Nord war seit der Eröffnung der Verbindung vom Denkmal zum Kaisersteg ein respräsentativer neuer Zentralbahnhof für Langendreer entstanden. 1908 wurde der neue Bahnhof, dessen Stationsgebäude bis heute als Kulturzentrum erhalten ist, eröffnet.

Jetzt lag es nahe, auf kurzem Weg eine zweite, direkte Verbindung in das nur etwas mehr als einen Kilometer Luftlinie entfernte Werne zu schaffen. Die Rheinische Straße war eine Sackgasse. Noch gab es keinen Verkehrsweg, der die neue Straßenbahnstrecke aufnehmen konnte.

PRIVATINITIATIVE

Die Grundstücke zwischen dem Bahnhof und dem Amtshaus in Werne gehörten größtenteils dem Werner Bauunternehmer Martens. Er hatte ein Interesse daran, die Flächen für Wohn- und Industrieansiedlungen zu erschließen. Deshalb unterbreitete Martens der Westfälischen Straßenbahn den Vorschlag, eine Privatstraße vom neuen Bahnhof nach Werne zu bauen.

Die Westfälische Straßenbahn begrüßte die Initiative. Am 15. und 17. Mai 1912 wurde das gemeinsame Projekt vertraglich besiegelt. Die Kosten für die doppelgleisige Gleistrasse sollte die Straßenbahn tragen. Die übrige Finanzierung wollte Martens übernehmen.

Im weiteren Verlauf konnte auch die zunächst passive Gemeinde Langendreer für die Sache gewonnen werden. Sie zeigte am Ende großes Interesse an der neuen Verbindung und war sogar bereit, einen erheblichen Teil der Kosten zu übernehmen.

Davon profitierte vor allem Martens. Die Westfälische Straßenbahn musste weiterhin die Kosten für die Gleise und die Pflasterung der Straße im Gleisbereich tragen.

GENEHMIGUNG UND ERÖFFNUNG

Am 10. März 1913 wurden die behördlichen Genehmigungen für das Projekt „Wernerstraße“ erteilt. Mitte Juli 1913 konnten die ersten Gleise verlegt werden.

Am 1. November 1913 waren Straße und Gleise fertiggestellt. Am Amtshaus in Werne wurde eine Verbindung zu der bereits bestehenden, ehemals Märkischen Strecke von Werne nach „Kranefeld“ geschaffen.

Die landespolizeiliche Abnahme der 1,34 Kilometer langen, doppelgleisigen Trasse erfolgte am 28. November 1913.

ERTÜCHTIGUNG DER KAISERSTEG-LINIE

Parallel zum Neubau der Wernerstraße wurden zwischen Juli und September 1913 die Gleise zwischen Langendreer Denkmal und Kaisersteg erneuert. Im Zentrum von Langendreer wurden die bisherigen Ausweichen vor dem Amtshaus und an der Blücherstraße durch eine neue, besser zum geplanten Fahrplan passende Ausweiche in der Kaiserstraße ersetzt. Ansonsten blieb die Gleislage mit Ausnahme einer geringfügigen Gleisverschwenkung in Höhe des Marktplatzes unverändert.

Unmittelbar nach der Abnahme der Neubaustrecke wurde die Kaisersteg-Linie H von Langendreer-Nord über die neue Trasse nach Werne verlängert.

Das Beitragsbild aus der Sammlung von Peter Kracht zeigt die neue Endstelle der Linie H in Werne. Die Postkarte wurde als sogenannte „Kriegskarte“ von der Evangelischen Kirchengemeinde in Werne verlegt.

Triebwagen 14 (Falkenried 1908) kam von der Straßenbahn der Stadt Herne zur Westfälischen Straßenbahn. Die Wernerstraße erhielt nach der Eingemeindung von Werne nach Bochum 1929 den neuen Namen „Am Heerbusch“.

  • Auf dieser Mehrbildkarte wird die Linie H gleich mehrfach gezeigt. Wir sehen uns das im Detail an ...
    Postkarte Verlag Cramers Kunstanstalt, Dortmund - Sammlung Ludwig Schönefeld