AUS FÜR DIE LINIE 20

Nach dem endgültigen Konkurs der Westfälischen Straßenbahnen GmbH zum Jahresende 1937 wurde die Linie H als Straßenbahnverbindung eingestellt.

Die Strecke zwischen dem Amtshaus Werne und dem Amtshaus Lütgendortmund wurde dauerhaft stillgelegt. Das Reststück vom Amtshaus Lütgendortmund zum Bahnhof Lütgendortmund übernahm die Straßenbahnlinie 17 von Bochum über Harpen nach Lütgendortmund.

Der Abschnitt zwischen dem Amtshaus in Werne und dem Bahnhof Langendreer-Nord wurde nunmehr allein durch die Bochumer Straßenbahnlinie 20 bedient.

Auf dem 2,1 Kilometer langen Teilstück vom Bahnhof Langendreer-Nord zum Kaisersteg wurde die Straßenbahn durch die Omnibuslinie „L“ ersetzt.

REVIVAL NACH ZWEI JAHREN

1940 war die Straßenbahn auf dem Teilstück zwischen dem Markt in Langendreer und dem Kaisersteg als neue Linie 22 zurück. Vermutlich konnten die Omnibusse aufgrund der zunehmenden Treibstoffverknappung nicht mehr eingesetzt werden.

Wenig später wurde die Kaisersteg-Linie zur Taktverdichtung der Linie 27 zu bestimmten Zeiten bis Castrop verlängert.

Das blieb auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs so. Erst gut ein halbes Jahr vor der Einstellung der Verbindung von Witten nach Castrop wurde die Linie zum Kaisersteg am 31. Mai 1951 stillgelegt.

AUS DURCH AUTOBAHN

Die Linie 20 blieb über den gesamten Zweiten Weltkrieg und durch die ersten Jahrzehnte der Nachkriegszeit in Langendreer „heimisch“. Teile der Strecke wurden sogar ausgebaut.

Ein Beispiel dafür ist die kurze Neubaustrecke, die 1962 im Bereich der Rüsingstraße parallel zur Zechenanschlussbahn Robert Müser angelegt wurde, um die enge Durchfahrt der Rüsingstraße zu entschärfen.

Und dennoch: Am 30. Juni 1969 wird die Linie 20 eingestellt.

Die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG hatte dafür gute Gründe. Sie bezweifelte, dass sich die durch den Bau der Autobahn A 43 notwendige Verlegung der Strecke zwischen Laer und Werne auf den neuen Werner Hellweg amortisieren würde. Die weitere wirtschaftliche und demographische Entwicklung von Werne im Kontext des bevorstehenden Strukturwandels vom Bergbau zu neuen Industrien war für die damaligen Entscheider nicht absehbar.

Ersetzt wurde die Linie 20 durch die Omnibuslinie 45, die zuvor die Strecke Bochum Rathaus – Opel Hauptverwaltung bedient hatte. Sie wurde über den Bahnhof Langendreer hinaus bis zum Denkmal weitergeführt.

Das von Emil Konrad aufgenommene Beitragsbild zeigt Triebwagen 5 der Westfälischen Straßenbahn (Falkenried 1908) im Dezember 1937 am Bahnhof Langendreer-Nord, wenige Tage vor der Einstellung der Linie H. Die Originalnegative übergab Emil Konrad vor seinem Tod an die Sammlung des Verkehrsmuseums Nürnberg.

Die anschließende Bildfolge vermittelt weitere Impressionen der Linie H und der Linie 20 in Langendreer. Auch hier macht ein Bild von Emil Konrad den Anfang. Eine weitere Bildfolge, deren Schwerpunkt auf den letzten Betriebsjahren der Linie 20 liegt, finden Sie auf meiner Bochumer Website „Rund um den Kuhhirten“.

  • Dem Schaffner war die nicht wiederholbare Situation am Bahnhof Langendreer wohl bewusst.
    Foto Emil Konrad - Sammlung Verkehrsmuseum Nürnberg