BÜRGERMEISTERAMT

  • Die Endstelle der Märkischen Straßenbahn am Bürgermeisteramt in Castrop.
    Historische Postkarte - Sammlung Wilhelm Dufhues

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Ein Jahr nach der Inbetriebnahme der Verbindung vom Kaisersteg über Werne nach Lütgendortmund wurde die Strecke nach Castrop fertiggestellt. Sie war 4,810 Kilometer lang. Vorläufige Endstelle war das Bürgermeisteramt in Castrop.

Für das neue Teilstück war die Konzession am 23. Januar 1901 erteilt worden. Die landespolizeiliche Abnahme fand am 27. Juni 1901 statt, die Inbetriebnahme im Linienverkehr am 25. August 1901.

In den Anfangsjahren wurde die Strecke nach Castrop aufgrund der nicht vorhandenen Eisenbahnkreuzung in Langendreer mit der im 20-Minuten-Takt verkehrenden Linie 5 (Uemmingen – Werne – Kranefeld) verknüpft. In „Kranefeld“ wurde über die Linie 4 eine Direktverbindung zur Eisenbahn in Langendreer hergestellt.

Die Strecke folgte bis in das Zentrum von Castrop der Provinzialstraße. Dies entspräche heute dem Straßenverlauf Provinzialstraße – Wittener Straße (bis zur Beethovenstraße) – Biesenkamp.

Die Strecke lag zumeist auf der östlichen Straßenseite. Es gab insgesamt zehn, jeweils rund 60 bis 70 Meter lange Ausweichen: Wilhelmshöhe, Kranefeld / Baulager Lütgendortmund, Plesken, Villis, Rose, Hovemann, Katholischer Friedhof, Castrop, Genderra, Rennplatz und Bürgermeisteramt Castrop. Die Benennungen, die sich zum Teil bis heute erhalten haben, bezogen sich auf lokale Landmarken oder nahe gelegene Gastwirtschaften. Mit der Einführung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr am 1. Januar 1980 wurde die Gepflogenheit, Haltestellen nach Gaststätten zu benennen, aufgegeben.

TOTALSANIERUNG

Wie im übrigen Streckennetz der Märkischen Straßenbahn waren auch auf der Strecke nach Castrop minderwertige Gleise verbaut worden. So wurde in den Jahren 1912/13 vollständige Sanierung der Strecke notwendig, die Kilometer um Kilometer zwischen dem 12. September 1912 und dem 25. Juni 1915 erfolgte.

Mit dem Gleisumbau wurde auch die Lage und Anordnung der Ausweichen optimiert. Die zehn, zwischen Langendreer und Castrop vorhandenen Ausweichen wurden durch den doppelgleisigen Ausbau zwischen Langendreer Bahnhof und Somborner Weg über 778 Meter, eine 344 Meter lange Ausweichstelle „Kranefeld“ und eine 150 Meter lange Ausweiche am Katholischen Friedhof ersetzt.

Hinzu kamen für den 10-Minuten-Takt und eventuelle Störungen eine 360 Meter lange Ausweichstelle vor dem Depot Lütgendortmund ersetzt, eine 84 Meter lange Ausweiche bei „Plesken“, eine 84 Meter lange Ausweiche bei „Rose“ und eine 150 Meter lange Ausweiche am Rennplatz in Castrop.

Letztere sollte insbesondere auch zur Abstellung von Einsatz- und Anhängewagen während des „Castroper Rennens“ genutzt werden. Diese international beworbene Pferderennen fand seit 1875 jeweils Ende Juli auf der Castroper Naturhindernis-Pferderennbahn statt und begeisterte in den besten Zeiten bis zu 30.000 Zuschauer.

Pferderennen werden seit 1970 nicht mehr durchgeführt. Das Gelände gehört seit 1971 der Stadt Castrop-Rauxel, war 1997 Teil der Internationalen Bauausstellung (IBA) und steht heute als kulturhistorisches Naherholungsgebiet unter Denkmalschutz. Auf dem Altstadtmarkt in Castrop-Rauxel erinnert bis heute ein 1912 errichtetes Reiterdenkmal an die große Zeit des Pferdesports.

Die Fahrtzeit zwischen Langendreer Bahnhof und Castrop Bürgermeisteramt konnte durch die Neuanlagen der Ausweichen von 41 Minuten auf 32 Minuten verkürzt werden. Mit dem Auto ist das heute kaum zu schaffen.