NACH HERBEDE

Die Herbeder Steinkohlenwerke konnten ihre Förderung nach einer Unterbrechung im Ersten Weltkrieg durch die Inbetriebnahme eines zweiten Schachtes im Jahr 1920 erheblich ausbauen. Eine 1922 eröffnete Brikettfabrik zog weitere Arbeitskräfte an.

Nach einem Besitzerwechsel zur Bergbau AG Lothringen und einer vorübergehenden Stilllegung vom Juli 1925 bis zum Januar 1927 nahm die Zeche den Betrieb wieder auf. In den folgenden Jahren wurden weitere Grubenfelder erschlossen.

Neben der Kohle entwickelte sich auch in Herbede die Maschinenbau-Industrie. Dementsprechend stieg die Einwohnerzahl kontinuierlich. 1951 wurden Herbede sogar Stadtrechte verliehen. Mit der Eingemeindung nach Witten zum 1. Januar 1975 musste Herbede die Selbständigkeit aufgeben.

Die Gesellschafter der Westfälischen Straßenbahn GmbH beobachteten die gute Entwicklung von Herbede. Um die aufstrebende Gemeinde an Witten anzubinden, wurde erneut der Bau einer Straßenbahnverbindung angeregt.

WITTEN – HERBEDE – BLANKENSTEIN

Das wurde auch vom Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk begrüßt. Seine überregionalen Planungen empfahlen eine Verbindung von den Endstellen Blankenstein und Stiepel der Hattinger Kreisbahn über Herbede nach Witten.

Im Vorgriff auf den Streckenausbau stellte die Westfälische Straßenbahn GmbH bereits beim zweigleisigen Ausbau der Bahnhofstraße einen Anschluss in die Herbeder Straße bis zur heutigen Hans-Böckler-Straße her. Im Verlauf des Geschäftsjahres 1928 wurde die gesamte, eingleisige Neubaustrecke über die heutige Hans-Böckler-Straße und die Wannenstraße und ab dort auf eigenem Bahnkörper bis zur Ruhrbrücke in Heven fertiggestellt. Der Damm der Trasse zwischen Heven und der Ruhrbrücke ist bis heute gut erkennbar.

MODERNSTE AUSSTATTUNG

Für die Neubaustrecke, die auf dem ersten Teilstück die Anlage die Herstellung von Geländeeinschnitten und im zweiten Teilstück die Aufschüttung eines Dammes erforderte, wurden rund 20.000 Kubikmeter Boden bewegt.

Das Gleis wurde durchweg aus geschweißten Vignolschienen auf Holzschwellen erstellt. In Höhe des Hellwegs entstand eine Ausweiche. Die Fahrleitung wurde als Kettenfahrleitung an Eisenbetonmasten befestigt.

Am Kornmarkt in Witten wurde für die Herbeder Linie eine doppelgleisige Endstelle in der Johannisstraße geschaffen.

Am 1. Oktober 1929 wurde Linie Witten-Markt – Heven – Herbede, Ruhrbrücke mit 7,325 Kilometern Gleislänge eröffnet. Sie erhielt die Linienbezeichnung „O“.

Am 31. April 1931 konnte die Strecke über die Ruhrbrücke bis zur Schloßstraße (heute Vormholzer Straße) und damit bis in das Zentrum von Herbede weitergeführt werden. Das Gleis lag mittig in der neu erstellten Betonbrücke.

IMPULS FÜR DIE INFRASTRUKTUR

Das Beitragsbild, eine für die Buchhandlung Friedrich Schröder in Herbede hergestellte Postkarte (Sammlung Ludwig Schönefeld), zeigt die frisch ausgebaute Verbandstraße in Höhe des Amtshauses. Auf der Ruhrbrücke ist einer der in den Jahren 1925 bis 1927 von der Waggonfabrik Uerdingen gelieferten Stahltriebwagen (Triebwagen 41 bis 51) zu erkennen.

Von der Brücke kommend schwenkte das Gleis nach einem Halt am Amtshaus Herbede – hier wurde die Haltestelleninsel mit modernen Leuchtsäulen gesichert – in die Vormholzer Straße und dann in die Meesmannstraße. Dort lag die Endstelle auf der rechten Straßenseite.

Daran hat sich über die Jahre wenig geändert. Das belegt das am 29. Dezember 1963 von Wolfgang R. Reimann aufgenommene Foto von Triebwagen 262 an der Endstelle Herbede.