WESTBAHNHOF

In Witten wurde die Strecke nach Annen mit dem bis dahin nur von einem Pendelwagen genutzten Gleis in der Bahnhofstraße verbunden. Auf diese Weise wurde die Linie bis zur Endstelle „Bahnhof Witten-West“ am westlichen Ende der Bahnhofstraße fortgeführt.

Der Bahnhof Witten-West befand sich zu diesem Zeitpunkt noch auf der nördlichen Seite der Bahnhofstraße.

Für die steigenden Verkehrsbedürfnisse der Stadt war das Stationsgebäude zum Zeitpunkt der Eröffnung der Straßenbahn bei weitem nicht mehr ausreichend bemessen. Nahezu zeitgleich mit der Entscheidung zum Bau der Straßenbahn beschloss die Staatsbahn, einen neuen Bahnhof zu bauen.

WITTEN ALS EISENBAHNKNOTEN

Der Neubau wurde erforderlich, nachdem sich Witten durch die Eröffnung einer direkten Verbindung über Annen nach Dortmund (6. Juli 1857), einer Verbindung nach Wetter (15. November 1859) sowie durch die Inbetriebnahme der Strecke von Bochum über Langendreer nach Witten (26. Oktober 1860) zum Eisenbahnknoten entwickelt hatte.

Mit der Eröffnung der Bergisch-Märkischen Central-Werkstatt am 5. Juni 1863 wuchs die Bedeutung der Stadt und ihres Bahnhofs. Die Werkstatt wurde 1873 um eine Weichenschmiede ergänzt. Sie entwickelte sich zu einem der großen Arbeitgeber in der Stadt.

Auf die Streckeneröffnungen 1850er-Jahre folgte im Dezember 1880 durch die Rheinische Bahngesellschaft die Eröffnung einer weiteren Verbindung von Langendreer über die heute zu Witten gehörenden Gemeinden Düren und Stockum nach Löttringhausen. Der Bahnhof „Stockum“ entstand auf dem Gelände eines aufgegebenen Bauernhofes an der Grenze zwischen Düren und Stockum, südöstlich von der heutigen Pferdebachstraße.

Nach der Kommunalreform der 1920er-Jahre erhielt der Rheinische Bahnhof die Bezeichnung „Witten-Ost“. Er blieb bis zum 30. November 1979 für den Personenverkehr in Betrieb. Drei Jahre später wurde auch der Güterverkehr eingestellt. Heute ist die als „Rheinischer Esel“ bezeichnete Trasse ein beliebter Radweg.

DER NEUE WESTBAHNHOF

Bereits 1872 wurde ein Grundstück für den geplanten Bahnhofsneubau erworben. Tatsächlich gebaut wurde jedoch erst deutlich später: Ab dem 18. September 1899 entstanden das bis heute bestehende Bahnhofsgebäude und der Bahnhofsvorplatz.

Die gesamten Gleisanlagen wurden um vier Meter erhöht. Damit einher ging der Bau der westlich vom Bahnhof liegenden Eisenbahnunterfühung der Wittener Bahnhofstraße.

Der Entwurf für das neue Gebäudes wurde bei Richard Sauerbruch, einem Architekt aus Witten, beauftragt.

Am 28. September 1901 wurde der Bahnhof seiner Bestimmung übergeben. Der alte Name „Witten-West“ blieb bestehen.

Seit dem 21. Januar 1940 führt die Station den Titel „Hauptbahnhof“ führen. Als Endstelle der Straßenbahn war die alte Bezeichnung „Witten-West“ auch danach noch über Jahrzehnte präsent.

Heute steht das Gebäude als Teil der „Route Industriekultur“ unter Denkmalschutz.

ANBINDUNG AN DAS STRASSENBAHNNETZ

Die Anbindung des Bahnhofs an das Straßenbahnnetz gelang nicht zeitgleich zur Eröffnung. Erst am 26. Oktober 1902 konnte er an das Straßenbahnnetz angebunden werden. Dazu wurde die Strecke um 270 Meter von der Bahnhofstraße über die heutige Bergerstraße zum neuen Personenbahnhof verlängert.

Die „Linie 1“ hatte jetzt eine Gesamtlänge von 4,55 Kilometern. Die Fahrt vom Bahnhof Witten-West nach Annen wurde in 24 Minuten bewältigt.

Die Betriebskonzession für das neue Streckenstück war am 2. September 1901 erteilt worden. Die landespolizeiliche Abnahme erfolgte am 6. Dezember 1902. Heute wäre es undenkbar, eine Straßenbahnstrecke über rund zwei Monate ohne behördliche Abnahme zu betreiben.

Das Beitragsbild aus dem Verlag Cramers Kunstanstalt, Dortmund, zeigt den Bahnhof Witten-West kurz nach der Inbetriebnahme der Straßenbahn-Stichstrecke von der Bahnhofstraße zum neuen Bahnhofsvorplatz (Sammlung Ludwig Schönefeld).

  • Das Beitragsbild wurde auch in schwarz-weiß angeboten und gerne als Gruß aus Witten verschickt.
    Postkarte Verlag Cramers Kunstanstalt Dortmund - Sammlung Ludwig Schönefeld