BETRIEBSHÖFE

  • Auf dem Luftbild aus den 1920er-Jahren, ist die Lage des Betriebshofes gut zu erkennen.
    © RVR – 1925-1930 – dl-de/by-2-0

CRENGELDANZ

Als Zentrale der Märkischen Straßenbahn wurde ein passendes Gelände im Süden der Gemeinde Langendreer gefunden. Es lag im Bereich der Grundherrschaft Haus Crengeldanz in dem seit 1929 zu Witten gehörenden Stadtteil Krone.

Hier betrieb die Familie Mayweg eine Ziegelei, die über größere Grundstücksreserven verfügte. Für die Märkische Straßenbahn konnte ein Teil des Geländes erworben werden.

Anfang 1899 wurde das Baulager eingerichtet. Zeitgleich begann der Bau des Straßenbahn-Betriebshofes.

Die günstige Lage unmittelbar neben der nach Annen und weiter nach Dortmund führenden Bergisch-Märkischen Strecke ermöglicht die Einrichtung eines Gleisanschlusses der Eisenbahn, der von Süden auf das Betriebshofsgelände geführt wird.

Neben einer großzügigen Wagenhalle entstehen Werkstätten, Kraftzentrale und Kohlelager sowie ein Baulager.

Im Laufe des Geschäftsjahres 1926 wurde die Wagenhalle des Betriebshofes erweitert. Dabei erhielt die in der Substanz der Jahrhundertwende beibehaltene Halle eine moderne, zeitgerechte Fassade. Gleichzeitig wurde die Einfahrt neu gestaltet. Das vermutlich 1925 entstandene Luftbild in der Bildfolge zeigt die Wagenhalle noch im Zustand vor dem Umbau (© RVR – 1925-1930 – dl-de/by-2-0).

Der Ausbau des Betriebshofes in Witten machte es mit dem parallel dazu begonnenen Ausbau des Betriebshofes in Gerthe möglich, den Betriebshof in Lütgendortmund aufzulösen.

1927 wurde das frühere Akkumulatoren- und Batteriegebäude zu einem modernen Wasch- und Aufenthaltsraum für die Werkstattangehörigen umgebaut. Darüber hinaus entstanden durch den Umbau zwei Wohnungen für Meister und zwei Wohnungen für andere Betriebsangehörige.

Das ehemalige Kessel- und Maschinenhaus wurde 1928 zu einer weiteren Wagenhalle mit Stellplatz für 16 Triebwagen umgebaut, um die für die Strecke nach Herbede notwendigen neuen Triebwagen auf dem Gelände unterbringen zu können. Die Umformeranlage der Vereinigten Elektrizitätswerk Westfalen GmbH, die sich bis dahin noch im Maschinenhaus befand, wurde ausgebaut und in einem kleineren Neubau auf dem Betriebsgelände untergebracht.

Nach der Übernahme der Westfälischen Straßenbahnen GmbH durch die Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG wurde der Betriebshof betriebsintern sowohl als „Betriebshof Crengeldanz“ als auch als „Betriebshof Witten“ bezeichnet.

Nachdem der Autobusverkehr vor dem Zweiten Weltkrieg von untergeordneter Bedeutung war, führte die zunehmende Inbetriebnahme von Omnibuslinien in den 1950er-Jahren zu zunehmenden Stellproblemen in den Betriebshöfen der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG – vor allem in Witten, wo Straßenbahnen und Omnibusse gemeinsam untergebracht wurden. Vor diesem Hintergrund begannen 1950 die Planungen für einen neuen Omnibusbetriebshof.

Für die neue Halle wurde das Gelände des bisherigen Baulagers geräumt. Ein daran anschließendes Ziegeleigelände konnte käuflich erworben werden, so dass ausreichend Fläche für den Neubau zur Verfügung stand.

1954 wurde mit dem Bau des Omnibusbetriebshofes begonnen, am 15. Dezember 1955 war die Wagenhalle fertiggestellt. Von der Betriebszeitung „Rückspiegel“ wurde der neue Betriebshof, der Platz für 35 Omnibusse bot, als „modernster Kraftomnibus-Betrieb in Europa“ gefeiert.

Am 3. Juni 1973 wurde der Straßenbahnbetrieb im Betriebshof Witten eingestellt. Zuletzt waren dort noch 14 Straßenbahnwagen für die Linien im Wittener Netz beheimatet. Die heute noch vorhandene Wagenhalle wurde an einen Autohändler vermietet.

  • Für den Fotografen wurde der Betriebshof Lütgendortmund zum "großen Bahnhof".
    Verlag A. Rosenberg, Lütgendortmund - Sammlung Kurt Klotzbach

BAULAGER / DEPOT LÜTGENDORTMUND

Am das Material für den Ausbau des nördlichen Streckennetzes ortsnah lagern zu können, wurde bereits 1899 ein Grundstück bei „Kranefeld“ auf der Gemarkung Lütgendortmund erworben. Im Laufe des Jahres 1900 wurde es zunächst als Lager und Werkstatt für den Streckenbau genutzt, später dann auch als Depot. Aus diesem Grund wird der Stützpunkt in frühen Fahrplänen und anderen Publikationen der Straßenbahn sowohl als „Baulager Lütgendortmund“ als auch als „Depot Lütgendortmund“ bezeichnet.

Auf jeden Fall entstand auf dem Gelände an der Provinzialstraße recht bald eine relativ große Wagenhalle. Nach der Fertigstellung der Linie Kaisersteg – Werne – Lütgendortmund beherbergte das Depot vermutlich die im „Nordnetz“ eingesetzten Straßenbahnwagen.

1926 wurde das Depot Lütgendortmund nach Abschluss des Ausbaus der Betriebshöfe Crengeldanz und Gerthe aufgegeben. Es wurde in den folgenden Jahren in unterschiedlicher Weise als Lager und Abstellhalle genutzt. Zuletzt von einem in Lütgendortmund ansässigen Schaustellerbetrieb. Heute befindet sich auf dem Gelände des Betriebshofes eine Großtankstelle.

Von Kurt Klotzbach, er war Redakteur der „Ruhr Nachrichten“ in Lütgendortmund und begeisterter Heimatforscher, erhielt ich in den 1980er-Jahren ein Foto, das wahrscheinlich zur Eröffnung der Straßenbahnstrecke nach Castrop arrangiert wurde. Es zeigt im Vordergrund das Zufahrtsgleis zum Betriebshof, rechts zwei Triebwagen auf dem Castroper Streckenast, links einen Triebwagen auf dem Streckenast nach Langendreer-Nord und in Bildmitte einen Triebwagen auf der Strecke Laer – Kaisersteg – Werne – „Kranefeld“ (Baulager / Depot Lütgendortmund).

Von der Wagenhalle gibt es bislang nur die in der Bildfolge enthaltene Luftbildaufnahme aus den 1920er-Jahren (© RVR – 1925-1930 – dl-de/by-2-0).