EINSTELLUNG DER 17

Die Umstellung der Linie 27 auf den Omnibusbetrieb beendete nach rund 50 Jahren den Straßenbahnbetrieb zwischen Witten, Lütgendortmund und Castrop.

Castrop blieb über die Straßenbahnlinie 7 mit Bochum verbunden. Am 8. Mai 1967 wurde sie zwischen der Münsterstraße in Castrop und Gerthe durch die Omnibuslinie 67 ersetzt.

Die Straßenbahnlinie 17 erreichte von Bochum kommend noch bis zum Fahrplanwechsel 1955 den Bahnhof Lütgendortmund. Im Rahmen eines Netzabgleichs zwischen der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG und der Dortmunder Stadtwerke AG wurde die Straßenbahnstrecke bis zum ehemaligen Amtshaus am Lütgendortmunder Markt verkürzt. Als Ersatz kam die Dortmunder Omnibuslinie „T“.

Das 1952 von Klaus-Bernd Lange (Sammlung Bernhard Terjung) aufgenommene Titelbild dieses Kapitels zeigt die Dortmunder Linie 12 und die Bochumer Linie 17 an der gemeinsamen Endstelle am Bahnhof Lütgendortmund. Nachdem die Fahrgäste den Triebwagen verlassen hatten, fuhr dieser bis in die Ausweiche vor dem Bahnhofsgebäude, die als Pausenplatz genutzt wurde:

Triebwagen 170, der auf den Bildern vom Bahnhof Lütgendortmund zu sehen ist, wurde 1922 von der Mainzer Waggonfabrik Gastell gebaut und unter der Nummer 254 geliefert. 1951 erhielt er die Nummer 170 in Zeitbesetzung. Ab 1958 war er noch bis zum Dezember 1963 als Mannschaftswagen 678 im Einsatz.

Auf dem nachfolgenden, im Winter 1954 entstandenen Bild aus der Sammlung des inzwischen verstorbenen Dortmunder Journalisten Kurt Klotzbach macht sich Triebwagen 162 (Dortmunder Union 1916) an der Ecke Limbecker Straße / Obere Lütgendortmunder Straße auf dem Weg zum Bahnhof. Obwohl er älter als der oben gezeigte Wagen war, blieb er ein Jahr länger im Einsatz: bis 1960 im Personenverkehr und anschließend noch bis Mai 1964 als Arbeitswagen 662.

Die von der Linie 17 genutzten Gleise im Zentrum von Lütgendortmund blieben nach der Einstellung des Straßenbahnbetriebs zum Bahnhof noch für einige Zeit liegen.

Die nachfolgende Postkarte aus dem Verlag Cramers Kunstanstalt in Dortmund wurde im März 1960 gedruckt. Obwohl der Retuscheur einen Mast der Oberleitung größtenteils „manuell demontierte“, ist die Gleislage recht gut zu erkennen. Links im Bild sehen wir die Haltestelle der Dortmunder Omnibuslinie, die nach der Einstellung der Straßenbahn die Verbindung vom Bahnhof Lütgendortmund zum Amtshaus herstellte.

RÜCKZUG NACH KORNHARPEN

Am 30. Mai 1967 erhielt die Straßenbahnlinie 17 die neue Liniennummer 16. Gleichzeitig wurde die Linienführung in der Bochumer Innenstadt geändert. Zwar fuhr die neue Linie 16 wie zuvor die „17“ weiterhin gegen den Uhrzeigersinn über den Ring, jedoch entfielen die Wendefahrt durch die Endschleife Arndtstraße und die Endhaltestelle „Bochum Nordbahnhof“.

Stattdessen fuhr die „16“ jetzt nach der Haltestelle „Hauptbahnhof“ über den Ost- und Nordring weiter zum Schwanenmarkt und dann zurück nach Lütgendortmund.

Zum Fahrplanwechsel am 30. Juni 1969 wurde die Linie 16 in Lütgendortmund stillgelegt. Die Endstelle wurde nach Kirchharpen zurückgezogen. Sie lag jetzt im Verlauf des Hellwegs kurz vor der Einmündung der Werner Straße. In Bochum wurde die Reststrecke zeitgleich mit der Strecke nach Oberdahlhausen verbunden.

Die Erläuterung im Vorwort zum Jahresfahrplan 1969/70 war wie folgt: „Wegen Straßen bzw. Kanalbauarbeiten (wird) die Linie 16 zwischen Werner Straße und Lütgendortmund für längere Zeit von Straßenbahn auf Omnibus umgestellt. … Die Linie 36 übernimmt künftig den Abschnitt Lütgendortmund – Werner Straße und erschließt zugleich das neue Gebiet „Auf dem Rosenberg“.

Tatsächlich blieben die Gleise nach Kirchharpen zwischen dem Abweig Harpen und Kirchharpen erst einmal liegen. Erst im März 1975 wurden die Gleise zwischen der Kreuzung Castroper Hellweg / Sheffieldring und der Überführung der A 40 in Harpen entfernt. Zwischen der Überführung und der ehemaligen Haltestelle Schleipweg liegen sie bis heute.

Die Erläuterung „für längere Zeit“ aus dem im Jahresfahrplan 1969/70 ist inzwischen über ein halbes Jahrhundert gültig. Aktuell gibt es in der Kommunalpolitik wieder Stimmen, die sich für eine Reaktivierung des Streckenastes vom Abzweig Harpen nach Kirchharpen aussprechen.

Die am Ende des Kapitels eingefügte Bildfolge erinnert an die Streckenführung der Linie 17 von Lütgendortmund über Kirchharpen zum Bochumer Hauptbahnhof. Der überwiegende Teil der Bilder stammt von Straßenbahnfreunden, die kurz vor der Einstellung nach Bochum reisten, um ein letztes Mal mit der „17“ nach Lütgendortmund zu fahren. Die letzten Tage der Linie 16 dokumentiert eine weitere Bildfolge auf meiner Bochumer Website „Rund um den Kuhhirten“.

ENDE DER EHEMALIGEN LANDKREIS-STRECKEN

Als erste der ehemaligen Strecken der Elektrischen Strassenbahnen des Landkreises Dortmund in Castrop wurde am 1. Juli 1958 die Verbindung von Habinghorst nach Henrichenburg auf den Omnibusbetrieb umgestellt. Dieser Einstellung folgten am 1. Mai 1960 die Umstellung der Strecke Habinghorst – Ickern, am 31. Dezember 1960 die der Strecke Castrop Münsterplatz – Habinghorst und am 1. Juli 1962 das Teilstück Münsterplatz – Kirchlinde.

Der Betriebshof der Landkreisbahn (seit 1914 unter der Betriebsführung und dann ab 1927 im Eigentum der Dortmunder Straßenbahnen GmbH, seit 1939 Dortmunder Stadtwerke AG) an der Castroper Bahnhofstraße wurde zuletzt genutzt, um ältere Straßenbahnwagen zu verschrotten. Die Sicherheitsausstattung dieser Fahrzeuge entsprach nicht mehr den ab dem 1. Januar 1960 geltenden Standards bezüglich der Beleuchtung und der nunmehr vorgeschriebenen Schienenbremsen.

Nach der Einstellung des Straßenbahnbetriebs zwischen dem Münsterplatz und Habinghorst am 31. Dezember 1960 wurde der Betriebshof zum Omnibusbetriebshof umgebaut. Er ist bis heute in Betrieb.

Die Straßenbahnstrecke von Marten zum Bahnhof Lütgendortmund wurde am 1. Dezember 1963 auf den Omnibusbetrieb umgestellt.

  • Ein Zug der Linie 17 wartet am 4. Mai 1967 am Amtshaus Lütgendortmund auf die Abfahrtszeit.
    Foto Herbert Cappel - Sammlung Bernhard Terjung