NEUE GLEISE

Bereits 1912, unmittelbar nach dem Verkauf der Märkischen Straßenbahn an die Westfälische Straßenbahn, wurde die Lage der Ausweichen zugunsten einer neuen Ausweiche im Zentrum von Lütgendortmund – zwischen der Kaiserlichen Post und dem Hotel Specht – und einer weiteren Ausweiche in Höhe des Oespeler Platzes verändert. Da die Straßen damals noch keinen festen Straßenbelag besaßen und nur chaussiert waren, konnten die Ausweichen schnell verlegt werden.

Im Herbst 1913 stellte die Westfälische Straßenbahn in der Wilhelmstraße eine Gleisverbindung zu ihrer Neubaustrecke von Harpen nach Lütgendortmund her. Diese wurde gleichwohl nur betriebsintern genutzt.

Zu einem größeren Umbau der Gleisanlagen kam es dann auf Betreiben der Gemeinde Lütgendortmund ab 1914. Ab dem 18. Juni 1914 wurde die Kaiserstraße zwischen der Provinzialstraße und Lütgendortmund neu trassiert. Die Gemeinde ersetzte das Kleinpflaster durch Großpflaster, die Westfälische Straßenbahn konnte einen Teil ihrer Trasse nunmehr zweigleisig anlegen. In der Zeit vom 22. Juni bis zur Mobilmachung Anfang August 1914 wurde damit begonnen, die Oespeler Straße neu zu trassieren. Ziel war es, die Straße durchgehend auf eine Breite von acht Metern zu bringen, mit Großpflaster zu befestigen und das Gleis der Straßenbahn in die Straßenmitte zu verschwenken.

Ab Oktober 1914 konnte die Westfälische Straßenbahn mit der eigenen Gleisbaukolonne die Arbeiten fortsetzen. Nach einer Frostpause im Winter 1914/15 wurden die Arbeiten im Februar 1915 erneut – nunmehr mit Unterstützung einer Bauunternehmung – aufgenommen. Bis Mai 1915 waren die Oespeler Straße und die Bahnhofstraße vollständig neu trassiert. Die landespolizeiliche Abnahme erfolgte am 28. September 1915.

In der Zeit vom 5. Juni bis zum 15. September 1916 konnten die Straßen und die Gleisanlagen auch im Zentrum von Lütgendortmund ertüchtigt werden. Die Gleisanlagen wurden jetzt zwischen dem Postamt an der Kaiserstraße und einer kurz vor der Einmündung der Bergstraße eingelegten Weiche doppelgleisig ausgebaut. Mit einbezogen wurde die Endstelle der von Harpen kommenden Strecke. Der doppelgleisige Abzweig im Zentrum von Lütgendortmund wurde weiterhin nur betriebsintern genutzt.

KOMPLEX UND TEUER

Der Umbau im Zentrum von Lütgendortmund veränderte das Ortsbild grundlegend. Rund um die Kaiser-Eiche vor dem Gasthof Vogelsang (später Buschkamp, in den 1980er-Jahren Kaufhaus Konze) war ein repräsentativer städtischer Platz entstanden, dessen „Möblierung“ später durch eine moderne Zentraluhr ergänzt wurde.

Die nicht unbeträchtlichen Kosten für den Ausbau der Straßen, die Pflasterung mit Großpflaster und für den Unterbau der neu verlegten Gleise wurden weitgehend von der Gemeinde Lütgendortmund übernommen. Die Westfälische Straßenbahn ertüchtigte auf einer Streckenlänge von 3,06 Kilometern – gemessen vom Depot Lütgendortmund zum Staatsbahnhof Lütgendortmund – insgesamt 3,63 Kilometer Gleis, 13 neue Weichen und eine neue Kreuzung.

Die hier als Beitragsbild gezeigte, um 1920 entstandene Postkarte zeigt den Ortskern von Lütgendortmund nach dem doppelgleisigen Ausbau (Unbekannter Postkartenverlag – Sammlung Wilhelm Mohrenstecher).